Ergebnisse zur Wühlmausbekämpfung (11/04)

Einleitung:

Die Scher- oder Wühlmaus verursacht durch Wurzelfraß in vielen Kulturen große Schäden, die bis zum Totalausfall führen können. Besonders in obstbaulichen Dauerkulturen sucht man nach geeigneten Möglichkeiten, den Befall durch Wühlmäuse zu verhindern. Viele Bekämpfungsmöglichkeiten sind sehr zeitaufwendig oder in ihrer Wirkung unzureichend. Der Einsatz von Frischködern wie z. B. Möhrenschnitzel mit chlorphacinonhaltigen Präparaten ist mit dem Inkrafttreten der Indikationszulassung nicht mehr möglich. Seit 3 Jahren führt die SLVA Oppenheim Wirkungsversuche zur Bekämpfung der Schermaus durch.


Versuchsmittel: Zur Bekämpfung von Wühlmäusen wurde im November 2001 der Ratron Schermausriegel nach § 18 a PflSchG für den Einsatz im Obstbau genehmigt.

Der 10 g große Formköder ist ein kompakter rot gefärbter Portionsriegel aus pflanzlichen Köderstoffen. Er enthält die Wirkstoffe Difenacoum (0,005 %) und Sulfonamid [0,02%).




Abb. 2 Versuchsmittel Fru-Z
Der Wirkstoff Difenacoum gehört zur Gruppe der Antikoagulatien und hemmt die Gerinnungsfähigkeit des Blutes und erhöht die Durchlässigkeit der Blutgefäße. Die Sulfonamide verhindern die Bildung von Vitamin K (Antidot) durch die im Darm von Ratten lebenden Bakterien. Die Schermäuse sterben nach der Aufnahme des Köders einen schmerzlosen Tod in einem Zeitraum von 4-10 Tagen.

Fru-Z Köder: Dieser Versuchsköder ist ähnlich wie der Ratron-Schermausköder ein 10 g schwerer Formriegel mit dem Wirkstoff Zinkphosphid. Durch eine neue Formulierungstechnologie wird eine Wirkstoffausgasung vor der Köderaufnahme verhindert

Der Wirkstoff Zinkphosphid entwickelt nach der Köderaufnahme im Magen der Mäuse unter Einfluss der Magensäure Phosphin. Dieses starke Stoffwechsel- und Nervengift tötet die Mäuse innerhalb von 1 bis 3 Stunden. Der Wirkstoff wird im Körper abgebaut und kann keine Sekundarvergiftungen verursachen. Beide Köder sind in einer feuchtigkeitsundurchlässigen Verpackung eingeschweißt.

MittelWirkstoffAufwand
Alle Mittel verdeckte Ausbringung
Ratron Schermausköder
2001/2002
Difenacoum 0,05 g/kg
Sulfonamide 20 g/kg
1 Stück/ 3m Ganglänge
Versuchsmittel Fru-Z
2001/2002
Zinkphoshid 0,8 %1 Stück/ 3m Ganglänge
Arrex Wühlmausköder
2002
Zinkphosphid 24g/kg5 g/ 8 m Ganglänge
Tabelle 1: Eingesetzte Mittel

Versuchsanlage
Im Jahr 2001 konnte auf einer stark verseuchten Kernobstfläche ein Bekämpfungsversuch angelegt werden. Da die Wühlmausbekämpfung oft mit Aufwand und Handarbeit verbunden ist, wurde zur Ausbringung der Wühlmauspflug gewählt. Zur Kontrolle diente ein Nachbargrundstück mit ebenfalls sehr hohem Wühlmausdruck. Nach Herstellerangaben wurde jeweils 1 Formköder alle 3 m in dem künstlichen Gang abgelegt. Die Bonitur erfolgte mittels der Verwühlprobe, dazu wurden in gleichmäßigen Abständen die unterirdischen Gänge freigelegt und wöchentlich auf Verwühlung bonitiert.
2002 wurde ein erneuter Versuch wiederum in einer stark verseuchten Anlage durchgeführt. Neben dem Ratron Schermausriegel wurde ein modifizierter Zinkphosphid Formköder und zusätzlich der zugelassene Zinkphosphid-Köder Wühmausköder “Arrex” (Tabelle 1) auf Basis von getrockneten Karotten getestet. Die Ausbringung erfolgte wiederum wie im Jahr zuvor mit dem Wühlmauspflug.


Abb. 3: Versuchsfläche 2001

Abb.4: Versuchsfläche 2002

Ergebnisse:
Der Versuch 2001 wurde am 14.11. 01 begonnen. Zuvor wurde ein Bonitur durchgeführt. Im gesamten Versuch wurden 232 Gänge geöffnet und auf Verwühlung bonitiert. Der Boniturzeitraum erstreckte sich bis zum 07.02.02. Das nachfolgende Schaubild zeigt den Verlauf der Bonitur. Während über den gesamten Boniturzeitraum die Verwühlung in der Kontrolle etwa gleich blieb, ging der Befall 3 Tage nach der Bonitur deutlich zurück. Dies erklärt sich damit, daß durch das Befahren mit dem Wühlmauspflug die Wühlmäuse deutlich gestört waren. Die Wirkung der Präparate setzte etwa 2 Wochen nach dem Ausbringen ein und hielt bis zum Ende der Bonitur am 7.02.02, dabei wurden Wirkungsgrade von ca. 80 % erzielt.

Der Versuch im Jahr 2002 ist noch nicht abgeschlossen, erste Ergebnisse sollen im nachfolgenden erläutert werden. Auch hier setzte die Wirkung der Mittel etwa 2 Wochen nach der Köderlegung ein. Während der Befall in Unbehandelt leicht anstieg, setzte in allen Versuchsgliedern eine Reduktion nach etwa 2 Wochen ein, die bis zum letzten Boniturdatum am 07.01.03 anhielt. Auch hier konnten alle eingesetzten Mittel den Befall deutlich reduzieren. Der Versuch wird fortgeführt, um die Dauerwirkung der Versuchspräparate festzustellen.


Abb. 5 Boniturverlauf



Abb. 6 Wirkungsgrade




Abb. 7 Boniturverlauf

Fazit:
In den beiden durchgeführten Versuchen konnte der Befall durch Wühlmäuse deutlich reduziert werden. Der nach § 18 a PschG genehmigte Ratron Schermausriegel bietet durch seine Verpackung eine gute Haltbarkeit und Attraktivität. Die Verpackung wird von den Mäusen durchgefressen. Die Ausbringung mit dem Wühlmauspflug ermöglicht eine effiziente Behandlung auch größerer Flächen, wobei der Köder von Hand eingelegt werden muß.

Auch der im letzten Versuch eingesetzte Köder “Arrex” auf Basis gefriergetrockneter Karotten reduzierte den Befall deutlich. Zur Zeit wird dieser Köder in Deutschland nur in Kleinpackungen angeboten. Hinsichtlich der Dauerwirkung muß der weitere Verlauf des anstehenden Versuches abgewartet werden.






werner.dahlbender@dlr.rlp.de      drucken nach oben  zurück